Das Turnier ist vorbei, die Tribünen in der Olympia-Halle abgebaut. Doch während die Spielerinnen und Spieler weiterreisen, laufen beim Veranstalter Sela bereits die Planungen für 2027. Und die Ambitionen sind eindeutig: London soll das Zuhause des Profi-Padels im August werden — für mindestens die nächsten zehn Jahre.
Das saudische Unternehmen Sela, das das erste London Premier Padel P1 organisiert hat, hält einen Zehnjahresvertrag zur Ausrichtung des Turniers. Olympia London ist seinerseits für mindestens fünf Jahre gebunden, sehr wahrscheinlich sogar für weitere fünf danach. Das Ergebnis der ersten Auflage gibt dieser langfristigen Wette Rückenwind: Über 20.000 Zuschauerinnen und Zuschauer besuchten das Turnier in der Woche, der letzte Finaltag war der vierte ausverkaufte Tag in Folge.
„Wimbledon gehört dem Juli", sagte ein leitender Vertreter der Organisation gegenüber ESPN. „Wir wollen, dass Padel den August gehört."
Größer und besser in 2027
Für die zweite Auflage planen die Veranstalter ein umfangreicheres Programm am gleichen Standort, im gleichen Zeitfenster Anfang August. Eine der konkret diskutierten Ideen ist ein Amateurpokal, bei dem der Sieger einen Startplatz in der Qualifikation oder sogar im Hauptfeld des Profi-Turniers erhält. Diese Verzahnung von Freizeitspiel und Elitenformat würde London P1 von allen anderen Premier-Padel-Stationen abheben und den lokalen Verein direkt mit dem Weltklassesport verbinden.
Das sportliche Niveau der Erstauflage setzte bereits Maßstäbe. Im Damenfinale besiegten Martina Calvo und Claudia Fernández die Weltranglistersten Gemma Triay und Delfi Brea mit 7:5, 6:3 — Calvo wurde mit 18 Jahren, einem Monat und vier Tagen zur jüngsten Premier-Padel-Siegerin der Geschichte. Im Herrenfinale gewannen Arturo Coello und Agustín Tapia gegen Alejandro Galán und Federico Chingotto mit 6:3, 5:7, 7:5 und feierten ihren achten Titel in der Saison 2026.
Der Schulkalender als Hindernis
Eine Herausforderung sprechen die Organisatoren offen an: Das Turnier fällt in die britischen Sommerferien, was die lokale Publikumsbasis verkleinert. Ab 2028 soll der Termin deshalb in ein Zeitfenster außerhalb der Schulferienzeit verlegt werden — eine Änderung, die Absprachen mit Premier Padel erfordert, aber nach Einschätzung der Veranstalter die Reichweite im Nachwuchs- und Familienbereich erheblich steigern würde.
Der Hintergrund: In Großbritannien hat Padel zuletzt einen enormen Sprung gemacht. Das Land zählt inzwischen über eine Million registrierte Spielerinnen und Spieler, und allein die Fitnesskette David Lloyd betreibt 166 Padel-Courts in 47 Clubs. Die Infrastruktur für ein nachhaltiges Profievent ist vorhanden — London P1 muss sie nun langfristig nutzen.
Das Aushängeschild der Tour
Sela hat das Ziel formuliert, London P1 zum „Juwel der Krone" der Premier Padel Tour zu machen — eine Positionierung, die dem emotionalen Gewicht von Madrid für spanische Fans oder Paris für die Tennistradition nacheifert. Der Vorteil Londons liegt in der Kombination: eine historische Veranstaltungshalle im Herzen der Stadt, die Reichweite von BBC und ESPN und eine Wachstumskulisse, die derzeit kaum ein anderer Markt bieten kann.
Ein offiziell bestätigter Termin für das London P1 2027 liegt noch nicht vor, doch das frühe August-Fenster in Olympia gilt als gesetzt. Mit dem Amateurpokal-Konzept, der geplanten Terminverschiebung und dem klaren Markenkern „August gehört dem Padel" verfolgen die Organisatoren über zehn Jahre hinaus eine Strategie, die weit über das reine Turniergeschäft hinausgeht.
